Montag, 5. Mai 2008
King of Plastic
Es gab ja schon einige Anfragen was ich denn so auf der Arbeit mache. Nun ja, Bilder sagen mehr als tausend Worte und nachdem ich Gestern so lange geschrieben hatte bis mir das Blut unter den Nägeln herausspritzte, mache ich es heute kurz: Ich "designe" eine Tasche. Eine Tasche für ein Faltrad, dass wir Ende diesen Jahres auf den Markt bringen werden. Den ersten Prototyp seht ihr auf dem Bild auf meinem Kopf. Noch passt das Fahrrad nicht ganz hinein, aber die Tasche schützt vor Regen, was ja auch was wert ist.

King of Plastic

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Sonntag, 4. Mai 2008
Zu fest ist, wenn´s weh tut?
Zum Frühstück gab es heute Rührei mit Knoblauch und Fleisch -um genauer zu sein Knoblauch mit Rührei und Fleisch. Normalerweise verlege ich Knoblauchgerichte wenn es irgend geht auf den Abend, um nicht den ganzen Tag alle anzustinken, aber an diesem Sonntag war mein einziges Date mit meinem Vokabelbuch und deswegen dachte ich mir bin ich mal mutig.
Den Geschmack habe ich jetzt noch im Mund. Naja, nach meinem Frühstück (12 Uhr) fragte mich meine Mitbewohnerin, ob ich sie zur chinesischen Massage begleiten wolle. Na klar!

-Meine erste Massage in China habe ich ja schon hinter mir. 12 Euro für eine Stunde volles Programm: Erst liegt man auf dem Bauch, auf einer Liege und guckt durch ein Loch auf den Boden, ...spannend. Dann kommt literweise warmes Öl auf den Rücken und die Masseuse fängt an mit ihren kleinen Händen auf einem rumzuflitschen. Und glaubt mir so klein die Hände auch sein mögen... sie können dir wehtun! Das ganze nennt Programm nennt sich "French-Massage" -hmm. Kein Rotwein-kein Baguette -was meinen die bloß? Ich war dann dementsprechend auch etwas überrascht als ich mich kurz vor Schluss auf den Rücken drehen sollte, hatte man mir doch versichert, dass es sich bei diesem Salon um einen der seriösen Anbieter handeln würde. Zu meiner Erleichterung jedoch war alles was folgte nur eine Kopf- und Armmassage. Nach einer dreiviertelstunde durchs Loch gucken (wobei man auf der Stirn aufliegt!), war ich auch ganz froh, dass mir jemand die lustigen Abdrücke aus meiner Stirn rausknetete. (Man darf übrigens, wie ich, die Hand heben und Aua sagen, wenn die Masseuse zu fest auf die Schläfen presst. Zu fest ist, wenn´s weh tut und man das Gefühl hat gleich poppen die Augen raus) Während der ganzen Stunde läuft aus einem Kassettenrekorder im Hintergrund ein Mixtape von Wasserfall und Kindergelächter. Was bei mir als Kinderhasser nicht sonderlich zur Entspannung beitrug, zudem musste ich pinkeln und da war der Wasserfall ebensowenig hilfreich. Trotz allem Sarkasmus: Ich hab den Salon verlassen und mich gefühlt wie Neugeborener. Unschuldig, ein bisschen weich in den Knien, mit einem zartem Lächeln auf den Lippen und dem fast überwältigenden Wunsch mir meinen Daumen in den Mund zu stecken und drann zu nuckeln. Nur noch entspannt einschlafen... Klasse!

-Heute jedoch! Heute jedoch!!! Nix hier mit Touristennippes, bisschen Trallala, 5 Liter Öl und Kerzenlicht. Der Laden war in einer der für Shanghai typisch-schmierigen Seitengassen. Da wo´s mal nach alter Pisse und mal nach frischem Essen riecht.
Wenn man den Laden nicht kennt, hat man keine, aber auch gar keine Chance ihn zu finden. Eine grüne Tür, ohne Schild, ohne alles. Klopfen, Eintreten, und man ist direkt mittendrin, ich meine im Salon! Ein Meter von der Eingangstür entfernt steht die erste Massageliege. Vier insgesammt in einem Raum von vielleicht 20 Quadratmetern. Die einzige Lichtquelle in diesem Raum ist eine 30 Watt Nachttischlampe, die knapp unter der Decke angebracht ist, von wo aus sie eine unendliche Anzahl von Pamperskartons bescheint die auf den Hängeschränken an den vergilbten Wänden verstaut sind. Windeln - Massage... ich muss zugeben dass ich kurz gestutzt habe.
Warum diser Massagesalon (wenn Salon in diesem Fall vielleicht auch nicht wirklich das zutreffende Wort ist) so schlecht ausgeleuchtet war, das ich fast über den mich begrüßenden Hund stolperte, erklärt sich dadurch, dass die Masseure allesamt Blind waren. Warum also Strom vergeuden.
Blinden Masseuren wird ein besonderes Feingefühl nachgesagt, sie können die Probleme des Rücken wahrhaft erspüren und gelten selbst unter Chinesen als kleiner Geheimtipp.
Nun ja viel mit Erspüren war da nischt. Auch habe ich verzweifelt nach meiner geliebten Ölflasche gesucht. Fehlanzeige. Man bleibt schön angezogen, bekommt sogar noch ein weißes Tuch drüber und dann gehts los, ...aber wie! Da juckelts man ganz schön auf dieser Liege hin und her, vor und zurück. Unter Schmerzen, wieder mit dem Kopf im Loch der Liege, nur ist das Loch bei diesen Liegen irgendwie deutlich zu klein. Das heisst man hat die Wahl entweder Augen und Nase durch das Loch zu stecken, was einem den Kehlkopf eindrückt, oder Nase und Mund hindurch zu stecken, was dazu führt das man nichts sieht. Ist nicht schlimm denkt ihr jetzt, das man nichts sieht. Naja, hätte ich den Hund unter meiner Liege kommen gesehen, weiß ich nicht ob ich ihm so bereitwillig mein Mund entgegengestreckt hätte. Ich hatte heute also keine "French-Massage", sondern ein "French-Kiss" von einem Hund -is ja auch was.
Wie dem auch sei, nach ungefähr einer halben Stunde Schmerzen meinte der Masseur zu meiner Mitbewohnerin, das ich ein ernstes Problem in meiner rechten Schulter hätte. er würde das "spüren". AHA! Das war mir bis dahin noch nicht bewusst, aber mir war klar, dass wenn er in diesem Stil weiter massieren würde ich auf jeden Fall ein ernstes Problem haben würde. Mein Po wurde dann auch noch massiert, meine Beinchen verdreht, Arme auf den Rücken verrenkt, Handkantenschläge auf die Wirbelsäule, ein paar Boxer in die Waden, zack zack: 45 Minuten Schmerzen für 3,80 € -Zungenkuss mit unbekanntem Hund inklusive. Ein einmaliges Erlebnis.
Fazit: Massagen in China sind in jedem Fall einzigartig. Manches werde ich nie verstehen: Warum heisst es French Massage? Warum Windeln? Und warum mögen alle Hunde immer mich? Wie auch immer. So absurd es nach meine ausführlichen Schilderungen klingen mag, vielleicht ist es meine masochistische Ader die da durch kommt, aber wenn ich nochmal zum Masseur gehe, dann zu den Blinden. Schräger und ehrlicher gehts kaum, und jetzt mehrere Stunden danach fühle ich mich sogar gut. Cheers, Stefan

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Samstag, 3. Mai 2008
Hase und Igel
Ja, Shanghai ist groß -oder auch nicht? Es hat 17 Millionen Einwohner, ein paar mehr, ein paar weniger -wer weiß das schon. Eine meine großen Sorgen bevor ich hergekommen bin war, dass ich aufgrund dieses Umstandes vielleicht zum Misantrop mutieren würde. Aber ganz im Gegenteil:
Die nette Dame aus meinem Haus, die mich immer freundlich grüßt wenn ich zu Arbeit gehe, ist genau dieselbe Dame die am Wochenende mit ihren Enkelkindern im Park spielt, und dieselbe die Ananasscheiben an der Hauptstraße verkauft. Um ehrlich zu sein: Für mich sehen die einfach alle zum Verwechseln ähnlich aus. In der Geschichte des Wettlaufs vom Hasen und dem Igel führte dieser Umstand dazu, dass der Hase am Ende den/seine Löffel abgab. Bei mir ist es genau umgekehrt -die Lüge, die Täuschung, lässt mich überleben. Ich bin der Hase, in der Stadt der Igel und aus demografischen 17 Millionen mache ich gefühlte 100. Shanghai ist ein Dorf!
Den Umstand das bekannte Gesichter beim Einsteigen in die U-Bahn, nach erreichen des Ziels schön längst da sind, blende ich einfach sehr geschickt aus: "Das sind Locals -die kennen halt Abkürzungen."
kommt mir irgendwie bekannt vor

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